logo

Home


Wir über uns


P.E.N. Charta


Writers in Prison


Satzung


Mitglieder


Vorstand


Texte


PENinfo


News Forum Förderverein Links Kontakt Impressum

P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland


In memoriam Dora Müller (1920 - 2009)

Ein Nachruf von Hans Lindemann

Nach schwerer Krankheit verstarb am 1. April 2009 im 89. Lebensjahr die 1920 im ostmährischen Novy Jicin geborene Dora Müller. Als ihr Vater, Rechtsanwalt Theodor Schuster, 1930 zum Landesvertreter der Deutschen Sozaldemokratischen Arbeiterpartei in der CSR in den mährischen Landtag gewählt wurde, siedelte die Familie nach Brünn über, wo die Verstorbene beinahe achtzig Jahre gelebt hat.

Nach dem Besuch des deutschen humanistischen Masaryk-Gymnasiums in Brünn, wo sie das Abitur ablegte, schloß sie an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn ihr Chemiestudium als Diplom-Ingenieurin ab. Bereits mit 14 Jahren war sie die Mitarbeiterin ihres Vaters als stille Retterin, wenn es darum ging, den von den deutschen und österreichischen Nationalsozialisten verfolgten Menschen zu helfen. Ihr Vater war in Brünn auch Präsident der Liga für Menschenrechte. Da die Liga eine der Anlaufstellen für politisch Verfolgten war, hatte die junge Dora bis März 1939 und danach illegal neben der Schule und dem Studium alle Hände voll zu tun. Da den Tschechen die Widerstandstätigkeit der Familie Schuster bekannt war, wurde sie 1945 nicht vertrieben. Dennoch wurde Dora Schusters an einer deutschen Hochschule im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren erworbenes Diplom nicht mehr anerkannt. Sie erhielt sogar Berufsverbot, obwohl sie zuvor an Forschungsinstituten in Brünn und Prag tätig gewesen war. Inzwischen mit dem Arzt Dr. Franz Müller verheiratet, arbeitete sie während der kommunistischen Diktatur unter verschiedenen Decknamen als Übersetzerin und Journalistin.

Nach der Samtenen Revolution im Jahre 1989 wurde sie Vorsitzende des Deutschen Kulturverbandes Region Brünn und legte ihren Vorsitz erst 2007 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Außerdem war sie die Gründerin und Leiterin des Deutsch-Tschechischen Bildungs- und Begegnungszentrums. In Österreich und in Deutschland wurde sie vor allem durch ihre große Wanderausstellung "Drehscheibe Brünn - deutsche und österreichische Emigranten 1933 bis 1939" bekannt. Unter diesem Titel erschien auch ihr Buch, das zweisprachig in bereits zwei Auflagen herausgegeben werden konnte. Große Beachtung fand auch ihr Werk über den bedeutenden sozialdemokratischen Politiker Ludwig Czech, der im KZ Theresienstadt 1942 umkam. Beliebt waren außerdem ihre Reisebücher wie "Krim- Skizzen", "Donaureise", sowie über Rumänien, Bulgarien und andere Länder.

Für ihre politische und schriftstellerische Tätigkeit erhielt sie viele Auszeichnungen. So den deutschen Adalbert Stifter Preis sowie die Adalbert Stifter Medaille, die Goethemedaille, den Preis der Stadt Brünn sowie 2006 den Preis "Das goldene Herz für Europa".

Wir werden Dora Müller als stille Retterin und Schriftstellerin in bester Erinnerung behalten.

Zum Seitenanfang