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Gemeinsame Erklärung


Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2007 für Anna Politkowskaja


Die Mitglieder beider Sektionen des Internationalen P.E.N. unterstützen die Überlegungen des Stiftungsrates des Deutschen Buchhandels, der am 7. Oktober 2006 in Moskau ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja den Friedenspreis für das Jahr 2007 postum zu verleihen. Seit Beginn des von der Russischen Föderativen Republik unter Präsident Wladimir Putin eingeleiteten zweiten Kriegs gegen die Tschetschenische Republik war die in der Zeitung „Nowaja Gaseta“ publizierende Journalistin und Menschenrechtsaktivistin um die selbstlose Aufklärung der Verbrechen an der Zivilbevölkerung in der nordkaukasischen Republik bemüht.

Trotz ständiger Behinderungen während ihrer Recherchen vor Ort, ungeachtet von Morddrohungen und Anschlägen auf ihr Leben hat sie etwas getan, was die meisten ihrer Kollegen angesichts der Unterdrückung der Pressefreiheit in Russland nicht mehr wagen: unerbittlich die Verursacher und Nutznießer des mörderischen Krieges mit hieb- und stichfesten Beweisen anzuklagen. Dabei richtete sich ihre journalistische Redlichkeit und Wahrheitsliebe auch gegen die tschetschenischen Helfershelfer um den von Moskau gesteuerten Präsidenten Kadyrow. Ihre Artikel in der Moskauer Zeitung „Nowaja Gaseta“ waren gründlich recherchiert und ungeschminkt in ihren Schlussfolgerungen; ihre Bücher, die seit 2003 auch in deutschsprachigen Übersetzungen vorliegen, waren verzweifelte Hilferufe, in denen auch die Enttäuschung über die weitgehend tatenlosen westlichen Demokratien zum Ausdruck kamen.

Ihr Mut und ihre Kompromisslosigkeit beim Aufdecken von Lügen, ihr Engagement für die Not der Opfer eines grausamen Krieges sind beispiellos und sollten in wacher Erinnerung für die Weltöffentlichkeit bleiben. Nicht zuletzt aus diesen Erwägungen schlagen wir Anna Stepanowna Politkowskaja für den Friedenspreis vor, um allen weiterhin der Wahrheit verpflichteten Journalistinnen und Journalisten Mut zu machen, sich nicht den Drohungen von Machtcliquen zu beugen, sondern auf die direkte Solidarität demokratisch handelnder Menschen in der ganzen Welt zu setzen.

Die Präsidien der P.E.N.-Zentren

Bremen / Berlin, 18. Februar 2007

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