| News | Forum | Förderverein | Links | Kontakt | Impressum |
3. November 2009
An den Senator des Inneren des Landes Berlin
Herrn Dr. Ehrhart Körting
Betrifft: Hungerstreik unseres Kollegen Peter Finkelgruen
Sehr geehrter Herr Dr. Körting,
mit großer Betroffenheit haben wir zur Kenntnis genommen, daß eines unserer Mitglieder, der Journalist und Schriftsteller Peter Finkelgruen, am letzten Freitag trotz seines labilen Gesundheitszustandes einen Hungerstreik begonnen hat. Nach seinen Gründen befragt, hat Peter Finkelgruen angegeben, daß er es nicht mehr erträgt, wie von Seiten des Berliner Entschädigungsamtes mit ihm und wohl auch mit anderen Überlebenden der Nazi-Verfolgung umgesprungen wird.
Peter Finkelgruen, 1942 in Shanghai geboren, verlor beide Eltern und seinen Großvater infolge des Naziterrors und trug aufgrund seines von den Deutschen erzwungenen Aufenthalts im Ghetto von Shanghai zahlreiche gesundheitliche und psychische Schädigungen davon. Die Rente und die Behandlungskosten, welche all dies "wiedergutmachen" sollen, hat er sich seit den sechziger Jahren ausnahmslos in gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Entschädigungs-amt Berlin erstreiten müssen.
Auch jetzt läuft wieder ein Verfahren, weil das Entschädigungsamt sich weigert, die Behandlungskosten für den Herzinfarkt zu tragen, den Peter Finkelgruen vor beinahe vier Jahren erlitt, weil dieser angeblich nicht mit den anerkannten ver-folgungsbedingten Leiden in Zusammenhang stünde. Im Laufe dieser Ausein-andersetzung erfuhr Peter Finkelgruen zudem, daß er im Sinne des § 141a des Bundesentschädigungsgesetzes seit Jahren ein Anrecht auf eine kostenlose medi-zinische Grundversorgung auch für nicht verfolgungsbedingte Leiden durch die AOK hätte.
Peter Finkelgruen förderte nach kurzer Recherche weitere Fälle zutage, in denen Anspruchsberechtigte des § 141a oftmals jahrelang über diese Möglichkeit, sich Kosten und langwierige Prozesse zu ersparen, im Dunkeln gelassen wurden.
Wir fordern Sie auf, Peter Finkelgruens Fall umgehend zu prüfen und außerdem darauf zu dringen, daß den Bedürfnissen der wenigen Überlebenden großzügiger Rechnung getragen wird, als es bisher der Fall gewesen ist. Es wirft unseres Erachtens kein gutes Bild auf die Bundesrepublik Deutschland, wenn ein Opfer der Nazis am 9. November am Berliner Holocaust-Mahnmal völlig zu Recht die engherzige Wiedergutmachungspraxis dieses Landes anklagt.
Wie Sie vielleicht wissen, ist das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland die Nachfolgeorganisation des Deutschen PEN-Clubs im Exil, der von prominenten Exilanten wie Lion Feuchtwanger und Heinrich Mann gegründet wurde. In unseren Reihen finden sich auch heute noch Emigranten der ersten Stunde, die vor den Nachstellungen der Nazis flüchten mußten und nach wie vor im Ausland leben. Andere sind nach Deutschland zurückgekehrt in der Hoffnung, dort ein Leben in Würde führen zu können.
Wir werden uns mit diesem Anliegen selbstverständlich auch an den Internatio-nalen PEN wenden und an die Presse derjenigen Länder, in denen wir leben.
Hochachtungsvoll
Der Vorstand des PEN Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland
| |