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Am Strand


Eine Erzählung von
Irène Bourquin


«We go, where big cars can’t go», hatte der Prospekt versprochen, auf dem altes Gemäuer mit Wasserfällen verschwamm — oben klein ein munterer Minibus, über einen Hügel hüpfend. Rasch entschlossen hatte sie die Tagestour gebucht. Nun stand sie — nach einer von heiterer Musik beschwingten Fahrt durch Moorlandschaften von melancholischer Schönheit, vorbei an kunstvoll aufgeschichteten Haufen mit der Dreikantschaufel gestochenen Torfs, vorbei an halbwild lebenden Pferden mit arabischem Einschlag, vorbei an kleinen Häfen und den rot, grün, gelb, blau, violett gestrichenen Fassaden der Küstenörtchen — stand an einem weitgeschwungenen weissen Strand, türkisblau das Wasser, in dessen Schaumkrönchen zwei rotschopfige Kinder planschten. Tief sog sie die frischkühle Meeresbrise in die Lungen.

Nimm dich in Acht, hatte er geschrieben, an den gälischen Ufern beobachtet dich ein Krebs. Sie bückte sich und schrieb langsam, doch schwungvoll seinen Namen in den weissen Muschelsand, setzte ein Herz in die Mitte. — Als sie sich aufrichtete, bemerkte sie erstaunt, dass die Schrift im Sand der seinen glich.


© 2001 Irène Bourquin, aus: Im Nachtwind, Siebenundfünfzig gestochen scharfe Erzählungen, Waldgut Verlag, Reihe lektur, Band 23, Frauenfeld 2009.)