Home


Wir über uns


P.E.N. Charta


Writers in Prison


Satzung


Mitglieder


Vorstand


Texte


PENinfo


News Forum Förderverein Links Kontakt Impressum

P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland


Liebesgedichte


von
Dieter Schlesak


Ein Teil der Liebesgedichte, die im italienisch-deutschen Band erschienen sind – und wunderschön übersetzt wurden, so das Gedicht „Schmerz im Vergehen“, sind parallel mit dem Pisaner Band auch auf Deutsch beim Verlag buchmedia und www.lyrikedition-2000.de (begründet von Heinz Ludwig Arnold) im März in München erschienen (ISBN 3-86520-185-7). Ich lese als Überleitung zu meinem Münchner Band HERST ZEIT LOSE Liebesgedichte, das erste Gedicht, das es nun also auch in Settanta volte sete auf italienisch gibt:


Schmerz Im Vergehen

Ist es dies Bett
ist es der Strom der dich spiegelt
weiß
die Wolke
DU
wie sie vergeht.

Und dein Gesicht
was steht darauf
von wem geschrieben
in mir fest
gebrannt.

Im Bett in dir in mir
wer wir auch sind
es hat uns nicht gereicht.

Die Wolke zieht
unhaltbar übers Firmament.

Ich aber habe
Wolkenhunger
nach dir.

Ma ho
famedinuvole
di te.



Liebes Körper

Präzise ein insektenauge
fühler nervenrot gebilde
wie dein liebeskörper auch

wenn ich nachts ins freie renne
seh den eingesperrten baum
bin ichs auch und renn und renne
mir entkomm ich kaum

doch sagst du so fließe fließe
lieber menschen fluß sei mein
arme beine leib und pflanzer
sind ja nicht nur dein

wir bestehn fast nur aus wasser
steh nicht nagelfest du hirn
stern wie sterne zwischenräume
eingebildet alles feste:
NICHTS als irrer sinn!

komm mein lieber: wir verschmelzen
sind dann fließend endlich wahr
liebeslust insektenauge
zeit gelebt ein wiederfinden/ haar
auf haare haar-
genauer
schwimm!



Das Rätsel Ist

Wo der Himmel
Zusammenbricht …

In seinem Spalt
Sind wir

Wo die Angst beginnt:

Was du ohne mich lebst
Trifft das Nie

Wo die Liebe
Im Spalt
Reimt
Sind wir

Umarmter Himmel
SEIN Haus

Im Pendeln
Zwischen Immer und Nie
Dieses Brennende
Ich dieses Du
Du dieses Ich

Doch was ich
ohne dich
in der Zeit bin
was wir ohne uns
in der Zeit sind

Du ohne mich
Ich ohne dich:

Ist Nichts als
Der Widerschein des
überall fehlenden
Gottes


KOMM, GELIEBTE, KÜSS MIR DEN SCHLEIER VOM LID

Herbst Zeit Lose ist der zweite Liebes-Gedichteband bei buch & media, der erste hiess „Lippe Lust, poesia erotica“ und daraus lese ich solch ein Gedicht über die Fernlieben, die sich aber regelmäßig dann zu problematischen ganz außergewöhnlichen nahen Liebesgeschichten entwickelten:


Die Schöne Schlange Der Sixtina Rom

Ich seh sie wieder vor mir: das bist du
sie reizt und brennt; so kamst du mir
in meinen Traum:
Sie lag ja neben mir, als wärs ihr heißer Leib
aus krudem Apfelfleisch
verfließend in unendlich vielen Farben
weich hart zugleich ein Schwellen langsam gleiten
hinab hinab Frau Erde tief hinein –
die Farben brennen
wenn sie sich entfalten
Die Mitte aber fest und fleischig
schwarz ist dein dunkles Dreieck
es brennt in jedem Wunsch
Sie kommt herab in meinen Blick und atmet schwer
ich kann hier nur das Eine denken – ich weiß
das Auge ist von euch verhext liegt quer seit jenem Fall
und dreht sich um die heiße V im Kreis!

2

Das Brennen nach der Tat färbt jeden Engel rot
und die Verführung ist der Vorschein
nackte Körper
und gelb der Apfelbiß im Hirn. Dein roter Engel unten aber
der unwahrscheinlich brennt: Lachsrosa eine ganze Skala
es ging bis Rotorange und Violett
so sah ich tief hinein in deine V
Und doch wars Violett aus jenem Gottesmantel
vom Anfang hör ich: ists ein jauchzend JA
vereinigt alles
ist in eins geschmolzen
so such ich in dir du in mir schön gleitend:
und macht die Szene aus dem Himmel ganz
und die Vertreibung ungereimt
und – wahr!
Es blieb das Licht, das beide trennt,
ich weiß: es strahlt aus jenem andern Raum
ist Grenze und das gleiche rot und fahl
stark dissonant schien es am Berg hier
rotlichtschnelles Oszillieren der scharfe Schnitt
doch wie zwei Ufer – untrennbar
wie Mann und Frau die schöne Scham
der Riß
die Lippe!


Diese Gedichte sind alle parallel zu einem Roman entstanden, der dieses problematische Thema ins Zentrum stellt, Liebesbegegnung in CHAT und Mail, viele authentische Ehe- und Liebesgeschichten, nicht nur meine, enthält, die mir von vielen Frauen elektronisch zugeschickt wurden, und so etwas wie das verbogene, verheimlichte Unterbewusstein der Deutschen, Österreicher und Schweizer spiegelt! Es heißt „Romans Netz. Ein Liebesroman“ und ist in der Edition Köln erschienen (www.peterfaecke.de unter Textproben und Bestellungen. Und über das Buch: www.google.de: schlesak, Romans Netz).


In Herbst Zeit Lose noch ein starker erotischer Nachklang:


Ineinander verwoben
Verwurzelt wie Muster und
Mütter des Ewigen Tages
Und manchmal sind
Weisseste Seiten die weisseste Haut
Und nicht mehr zu trennen
Zu lesen die schmelzende Weichheit
Im Kuss ihrer blätternden Lippen
Einsinkender Körper
Wortlos zuhaus.



Auf Diesem Grossen Hintergrund Dem Berg

Bist du bist du bist DU. Ich seh dich
zwischen meinen Augen himmlisch nackt. Ich liebe dich
du bist so gleitend sanft verpackt. Mein Auge dringt
durch deine Haut mein Finger tief in dich.
Die samtne Haut an meiner brennt
das Ich das Du sind ungetrennt
wir gleiten in den Schrei.

Ich schrei mit dir du bist mein Hier ich fühl dich tief
In mir. Es brennt es glückt.

Die Augen-Blicke die dich sehn
den Wald das Schamhaar da -
sind wild sind wieder jung.

Es tröstet tief dass du es bist dass es dich gibt
dass ich dich fühlen kann in jedem Baum
dass du mein Auge bist und meine Hand
dass dieses Gras dich jetzt mit mir berührt
denn alles was ich seh und was ich bin
BIST DU.

Wer weiß was bisher war
der Stein im Sonnen Schein ganz warm?
Und morgen auch wer weiß personne wer war schon
in dem nächsten Augenblick? Ein Und?

So schweig Du der nichts weiß.

Wer liebt der weiß wer
hält den nächsten Mund? wer war
schon in dem nächsten Augen-
Blick? Passiert sagt Er passiert der
Schein der Grund.


„Ich habe von dir geträumt: Dein Gesicht war nah und meine Hand fuhr unablässig über Deine Stirn und die Finger fuhren Deine Haut ab und alles von Dir jemals Erlebte ging in meine Blutbahn ein floss in unser Gedächtnis. So als wären wir der griechische Kugelmensch vor der Trennung und die Zeit fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Und ich dachte nicht mehr kausal sondern alles WAR. Keine Erklärung mehr und alles sprachlos. Im Glückszustand hob sich alles auf und wir waren wie ewig entdeckt. Das Leben ein Ausnahmezustand lag zwischen zwei Ewigkeiten, lag vor und nach der Geburt und dem Tod. Kreis der sich trifft und dazwischen die Geburt: ein Unendlich zwischen den gekrümmten Linien der Zeit. Wir waren schon bevor wir waren.“


Vielleicht noch dieses Gedicht:


Gott Ist Der Tod Nicht.

Die Zukunft ist das Ende. Hier
Verschwiegen ist was kommt.
Was kommen wird: ein Schlaf.
Dann wird es wirklich
Licht.
Und jene die im anderen Leben leben
sind nach dem Schlaf des Todes
Geistes Glück.