P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
Nachruf auf unseren ehemaligen Präsidenten
Fritz Beer (25.8.1911 – 2.9.2006)
Fritz Beer wurde am 25. August 1911 in Brünn (Tschechoslowakei) geboren, als – wie er schrieb – „ein Nichtgläubiger in einer jüdischen Familie, ein Deutschsprachiger unter Tschechen, der lesehungrige Sohn eines biederen Sägewerkbesitzers“. Bereits in Prag war er politisch und journalistisch tätig und erhielt 1934 den Friedenspreis des Verlags für ausländische Literatur, Moskau. 1939 emigrierte Fritz Beer nach London und trat dort freiwillig der tschechischen Auslandarmee bei.
Nach dem Krieg arbeitete er für den deutschen Dienst der BBC und als Londoner Korrespondent für deutsche Tageszeitungen. Seine Tätigkeit wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, 1979 wurde zum „Officer of the Order of the British Empire“ ernannt. Von 1977 bis 1979 stand Fritz Beer der Londoner Foreign Press Association vor; von 1988 bis 2001 war er Präsident des PEN-Zentrums für deutschsprachige Autoren im Ausland, dessen Geschicke er maßgeblich beeinflusste. Am 2. September 2006 starb Fritz Beer nach jahrelanger, aufzehrender Krankheit.
In der Einführung zu Exil ohne Ende, der zum 60jährigen Bestehen des PEN-Zentrums erschienenen Anthologie, schrieb Fritz Beer: „Falls wir mit diesem Buch bei unseren Lesern auch auf Widerspruch, Kritik und Ablehnung stoßen, werden wir das als Erfolg betrachten. Unser Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland ist keine Gesellschaft zur Förderung gegenseitiger Bewunderung. Literatur gedeiht nur, wo es Freiheit und Auseinandersetzung gibt. Eine intellektuell bequeme Existenz ist immer ein Totenbett für Ideen.“
Fritz Beer ist mit seinem Wirken als Präsident unseres Zentrums – mit seiner eigenen unbequemen Existenz – auch auf Widerspruch, Kritik und Ablehnung gestoßen. Gerade dadurch aber hat er die Grundlage geschaffen, auf der wir uns heute mit Vergangenem und Gegenwärtigem auseinandersetzen und neue Ideen entwickeln können. Wir gedenken seiner mit Hochachtung und in Dankbarkeit.
Günter Kunert Chaim Noll Fred Viebahn
Gabrielle Alioth
Freya Klier
Guy Stern
Peter Finkelgruen
Hans-Christian Oeser