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15. Januar 1945, Atlit in Palästina, Britischer Kontrollpunkt.
Der deutsche Jude Edgar Hilsenrath, noch keine neunzehn Jahre alt,
Überlebender des Naziterrors in Halle an der Saale und des
rumänischen Gettos Moghilev–Podolski für Juden aus
der Bukowina in Transnistrien/Ukraine, wird als Einwanderer nach
Palästina von den britischen Behörden registriert.
Hilsenrath wird von der für Einwanderer zuständigen
jüdischern Organisation dem Kibbuz Qfar Rupin zugeteilt, in
dem Juden leben, die bereits in den zwanziger Jahren aus Frankreich
und Deutschland zugewandert sind.
Der junge Mann spricht kein Hebräisch (Ivrit), er ist kein religiöser
Jude, er hat keine Berufsausbildung, seine Habe besteht aus dem, was er auf dem
Leibe und in einem kleinen Handkoffer bei sich trägt. Geld, Schmuck oder
Wertsachen hat er nicht. Seine Familie ist, soweit sie überlebt hat, in der
Bukowina zurückgeblieben, der Vater 1939 nach Frankreich geflohen. Von ihm
hat der Sohn seit Jahren keine Nachricht mehr erhalten.
Was will Hilsenrath in Palästina? Er will helfen den Judenstaat aufzubauen,
bei seinen Leuten als Jude unter Juden leben. Er sucht ein Paradies, wie er es in
Siret, der kleinen, jiddisch geprägten Stadt in der Bukowina auf der Flucht
aus Deutschland gefunden und durch die Deportation wieder verloren hatte.
Was findet er in den knapp drei Jahren, die er in verschiedenen Kibbuzim, in
Nahariya, in Haifa und in Tel Aviv lebt? Israelis, die seine deutsche Sprache,
das einzige Stück Heimat, welches ihm noch verblieben ist, radikal als
Mörder– und Opfersprache ablehnen, ihm nur miese Jobs als Hilfsarbeiter
auf dem Bau oder in der Gastronomie überlassen, seinen Platz beim Aufbau
Israels allenfalls in einem Kibbuz bei der Feldarbeit sehen und nicht nachvollziehen
wollen oder können, dass er, der mit knapper Not dreijähriger Gettohaft
entronnen ist, nicht in den Zwängen einer Kibbuzgesellschaft leben kann.
Sein Paradiestraum zerrinnt rasch; seine Vorstellung in Palästina wäre das
Umsetzen eines marxistischen Idealstaates möglich, muss er bald aufgeben. Er
sieht, dass die Juden einen Nationalstaat errichten wollen, dass Hass zwischen Juden
und Arabern als normal verstanden wird. Er registriert die zunehmende Gewalt zwischen
Juden und Briten und zwischen Juden und Arabern. Er begreift, dass er hier ein
Außenseiter ist und bleiben wird.
Hilsenrath beschließt Palästina zu verlassen und wählt den legalen Weg
der Ausreise mit Pass und Visum nach Frankreich. Er will unbedingt nach Lyon, wo, wie
er durch das Internationale Rote Kreuz erfahren hat, sein Vater lebt und wohin seine
Mutter und sein Bruder auf abenteuerlicher Odyssee gelangt sind. Er glaubt im Schoß
der Familie seinem Paradiestraum näher zu kommen, träumt auch von den
französischen Mädchen und hofft vor allem, die nötige Ruhe und Besinnung
zu finden, seinen „Lebensroman“ und daraus insbesondere das umfängliche Kapitel
„Getto“, schreiben zu können. Vergeblich hatte er sich daran seit mehr als zwei
Jahren in Palästina versucht. Ebenso war es ihm nicht gelungen verschiedene
Erzählungen zum Abschluss zu bringen. Zu nah war noch das leidvolle Erleben,
zu sehr musste er sich um die Sicherung einer bescheidenen materiellen Existenz
bemühen, zu deutlich fehlte ihm das handwerkliche Rüstzeug, überzeugend
zu schreiben. Aber sicher war er sich, es würde für ihn kein anderes Leben
geben, als das eines Schriftstellers.
10. Dezember 1947, ein nebelig, trüber Morgen im Hafen von Marseille. David und
Anni Hilsenrath holen ihren Sohn an der Gangway des soeben eingelaufenen Passagierdampfers
ab. Alle sind glücklich über die Vereinigung der Familie nach so vielen, schlimmen
Jahren der Trennung. Hilsenrath zieht mit in das Zimmer seines Bruders Manfred in der
elterlichen Wohnung in der Rue de Garet, No. 5 in der Nähe des Bahnhofs von Lyon.
Auch in Frankreich kann Hilsenrath kein Paradies finden. Er wird von seinen Erinnerungen,
über die in der Familie nicht gesprochen werden darf, überrollt, verfällt
in schwere Depressionen, wird wegen eines „KZ–Traumas“ mit Elektroschocks behandelt.
Der Vater, der nach zehnjähriger Trennung kein väterliches Verhältnis mehr
zu seinem Sohn aufbauen kann, besteht für diesen unerbittlich auf einer Kürschnerlehre
– dies sei ein Beruf der Wohlstand verspreche – und verbietet ihm zu schreiben –
da Schriftsteller und Künstler doch nur Hungerleider seien. Der Sohn unterwirft sich dem
väterlichen Diktat, lernt die Kürschnerei, arbeitet als begabter Zuschneider und
verdient gutes Geld. Heimlich jedoch, unterstützt von der Mutter, schreibt er weiter,
kann erste Erzählungen in Zeitschriften in Deutschland und Österreich
veröffentlichen. Der Roman will ihm aber immer noch nicht gelingen.
Im Herbst 1949 hat der Autor ein entscheidendes Erlebnis: Er liest den Roman „Arc de Triomphe“
von Erich Maria Remarque und sofort weiß er, so will und muss er seinen Gettoroman
schreiben, hart, realistisch, in präziser und zupackender Sprache, mit kurzen, prägnanten
Dialogen. Er setzt neu an und dieser Versuch gelingt. Er findet fließend in sein Werk,
entwickelt von Remarque ausgehend, seinen eigenen hart–realistischen Stil und ist sich
nun sicher, dass ihm der Roman gelingen wird. Allerdings muss er sich aus dem Elternhaus
lösen, dem väterlichen Einfluss entkommen, um kontinuierlich an seinem Buch arbeiten
zu können. Er nutzt die Abwesenheit des Vaters, der ein Bekleidungsgeschäft in Paris
aufbaut und bereitet seine Ausreise nach New York vor. Damit greift er den Plan der Familie
Hilsenrath aus dem Jahre 1938 wieder auf, als sie sich verzweifelt bemühten, über
das amerikanische Generalkonsulat in Berlin Einreisevisa in die USA zu bekommen, um dem
Naziterror zu entfliehen, was ihnen verweigert wurde.
Jetzt ist das kein Problem mehr. Als „Displaced Person“ darf der Jude Edgar Hilsenrath, zumal
auch noch ein in New York lebender Cousin für ihn bürgt, in die USA emigrieren.
Warum will er dort hin? Zum einen natürlich weil er seinen Gettoroman schreiben und in
den USA publizieren will und weil doch in New York mehrere Millionen Juden leben, von denen
sehr viele aus Osteuropa und manche aus Deutschland und Österreich gekommen sind, also
ein Leben unter Juden möglich sein müsste, zum anderen aber „weil man uns
überlebenden Juden damals in Amerika das Paradies versprochen hat“.
02. April 1951, die S/S De Grasse läuft an der Freiheitsstatue vorbei in den Hafen von
New York ein. An Bord Edgar Hilsenrath, der dem Anblick der Statue, die für ihn und
viele andere der Passagiere einen hohen Symbolwert hat, entgegenfiebert. Groß ist die
Enttäuschung, die Statue hat sich komplett in Nebel verhüllt. Hilsenrath wird von
der Familie des Cousins erwartet. Sie nehmen ihn für einige Wochen auf, erleichtern
seinen Start in der fremden Welt.
Wieder wird der Paradiessucher enttäuscht. Durch das Raster weiß–
protestantisch–amerikanisch–wohlhabend gefallen wird er erneut zum Außenseiter.
Zumal er seine europäische Herkunft betont, nicht auf seine deutsche Dichtersprache verzichten
will und keine bürgerliche Existenz anstrebt. Als Zuschneider in einer Kürschnerei – auch
in New York ist die Pelzbranche in jüdischer Hand – hätte er sehr wohl ein gutes
materielles Auskommen gefunden. Aber er will nur eines: schreiben! Sein Schreiben ist kreativ,
therapeutisch, triebhaft. Er will und er kann nicht anders. Er muss seinen Lebensunterhalt verdienen,
90 Dollar braucht er im Monat für die Miete möblierter Zimmer, für Lebensmittel,
Kleidung. Er nimmt Aushilfsjobs an, als Kellner, Portier, Fastfoodbote. Arbeitet bis er 90 Dollar
pro Monat zusammen hat und dann konzentriert er sich ausschließlich auf das Schreiben des
Romans.
Hilsenrath liebt es nachts zu schreiben, unter Menschen, die sich nicht um ihn kümmern oder als
Sonderling gewähren lassen. Er schreibt in Cafeterias, wo er die ganze Nacht bis in den
frühen Morgen bei einem Kaffee und einem Glas Wasser sitzen kann. Er schreibt von Hand,
Bleistift oder Kugelschreiber und viele Bogen weißes Papier, sein Werkzeug. Als Anregung
eine Kulisse aus Geräuschen, Gesprächen und Gerüchen. Häufig gerät er
in einen Schreibrausch; wird vorangetrieben, ohne das Geschriebene reflektieren zu können.
Für später schreibt er auf Zettel Notizen, hält in Kürzestform Daten,
Fakten, Abläufe fest, die er demnächst – irgendwann – prüfen wollte,
einfügen konnte oder das Geschriebene nach Prüfung ändern musste.
21. März 1954, New York, 900 Riverside Drive. Es ist 23.00 Uhr. Hilsenrath notiert am Tisch
in seinem Zimmer im Entwurf eines Vorwortes zu seinem Roman, welches niemals gedruckt wird: „Das
Manuskript ist gerade beendet“. Die Erstschrift des Romans mit 1.250 Manuskriptseiten und mehr
als 500 Blättern mit zusätzlich lose eingelegten Notizen hat er in acht Ringordnern
zusammengefasst. Neun Jahre Schreibarbeit liegen hinter ihm.
Hilsenrath kauft sich eine alte Schreibmaschine, eine Groma. Maschineschreiben hat er nicht
gelernt. Er beginnt mit einem Zweifingersuchsystem, welches er im Laufe der Jahre in ein
Sechsfingerschreibsystem perfektioniert. 1959 – nach fünf Jahren weiterer Arbeit am
Text – ist die Reinschrift des Gettoromans erstellt, liegen 737 Seiten Typoskripte in
fünf Heftern vor, hat der Autor seine Trauer abgearbeitet, den Kaddish für sein Volk
gebetet. Er ist frei, soweit es einem Menschen überhaupt gegeben ist, sich jemals aus
dem Erleben der Shoa zu befreien.
Trotz intensiver Versuche gelingt es ihm nicht, sein Buch bei einem amerikanischen Verlag
unterzubringen. Erst 1964 kann der Redakteur Henry Marx, der bei einer deutschsprachigen
Zeitung in New York arbeitet, Interesse für den Roman im Kindler Verlag in München
wecken. Es kommt zum Vertragsabschluss. Kindler veröffentlicht das Buch im Herbst 1965.
Hilsenrath ist glücklich. Endlich, neunzehn Jahre nachdem er die Arbeit am Text
begonnen hatte, hält er seinen Roman „Nacht“ in Händen.
Was er nicht weiß: im Verlag gibt es eine heftige Opposition gegen das Buch. Ein
jüdischer Mitarbeiter, der das KZ Auschwitz überlebt hat, sieht in dem Text
eine Verunglimpfung der jüdischen Opfer. Welch ein groteskes Missverstehen! Der
Autor Hilsenrath wird als Überbringer der Nachricht, für deren Inhalt in
die Haftung genommen. Der Mitarbeiter intrigiert, fälscht, bringt Lügen
in Umlauf und kann schließlich die Frau des Verlegers auf seine Seite ziehen.
Kindler beschließt zwar den Vertrag zu erfüllen, also das Buch in einer
kleinen Auflage zu veröffentlichen, aber es weder auf der Buchmesse zu
präsentieren, noch nennenswert dafür zu werben und auf keinen Fall
eine weitere Auflage zu drucken. Das Buch erscheint und verschwindet – durch
Ausverkauf der kleinen, ersten Auflage – nach wenigen Monaten vom Buchmarkt.
Hilsenrath kommt im Mai 1965 nach Deutschland, um sein Buch durch Präsenz und
persönliches Bemühen zu fördern. Der Verlag verheimlicht ihm die
Entscheidung gegen den Roman. Der Autor müht sich für ein Buch, welches
nicht mehr gekauft werden kann. Um ihn zu täuschen, veranlasst der Verlag
Werbung im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, veranlasst Besprechungen
in Zeitungen und lädt ihn zur Buchmesse nach Frankfurt ein.
Dort endlich gesteht der Verlagsgeschäftsführer dem Autor, dass sein Buch
vergriffen ist und nicht mehr aufgelegt wird. Voller Empörung und Zorn sucht
Hilsenrath Kindler in dessen Büro in München auf. Es kommt zu einem
heftigen, lautstarken Streit. Kindler erklärt, er wolle mit Hilsenrath weder
als Person noch als Autor künftig zu tun haben und weist ihn vor die Tür.
15. Oktober 1965, München–Schwabing, Clemensstr. 28, Hilsenrath kommt
nach dem Streit mit Kindler in das Zimmer, welches er zur Untermiete bewohnt.
Noch immer ist er aufgewühlt, der Zorn schüttelt ihn. Auf den Schreibtisch
hat die Vermieterin, Frau Bittner–Simmet, ein Telegramm für ihn gelegt.
Er liest und ist wie elektrisiert: „BOOK FROM DOUBLEDAY ACCEPTED CONGRATULATION
BECKER WROTE YOU TODAY POST OFFICE PLEASE WRITE IMMEDIATELY = PAPA“.
Hilsenrath schwindelt. Er ist Autor bei Doubleday & Company in New York.
Im größten, besten und wichtigsten Verlag der USA wird sein Roman
„Nacht“ („Night“) erscheinen. Der Intrigenhölle in Deutschland entronnen,
angekommen im Himmel des Erfolgs. Zwei Tage später verlässt er
München und fliegt nach New York.
15. Juli 1967, New York, 100 Fort Washington Avenue. Das Telefon klingelt,
Hilsenrath greift zum Hörer. Am Apparat ist Ken McCormick, der Cheflektor
des Doubleday–Verlages. Er fragt an, ob Hilsenrath einen zweiten Roman
für Doubleday schreiben wolle. Selbstverständlich, schließlich
sei er Doubleday–Autor. Im Verlag stellt Hilsenrath die irrwitzige Story
des Max Schulz / Itzik Finkelstein vor, eines SS–Massenmörders, der
nach dem verlorenen Krieg, in die Identität seines ermordeten jüdischen
Freundes schlüpft und in Israel zum gefeierten Kriegshelden wird. Ken
McCormick ist angetan. Ausgerüstet mit einem Vertrag und einem Vorschuss
fliegt Hilsenrath nach München und beginnt die Arbeit an dem Roman.
Während dieser Zeit in München, der Stadt in der Hitler und seine
Bewegung bereits seit 1922 viele Anhänger fanden, will und muss er in
der deutschen Sprache leben, sie im Ohr, auf der Zunge haben. Ein Jahr
später ist es geschafft. Der Text ist fertig. Der Autor erwacht aus
seinem Schreibrausch, lebt wieder in New York. 1971 – nach Übersetzung
des deutschen Textes und Lektorat – erscheint der Roman „The Nazi & The Barber“.
Rasch folgen Ausgaben in Frankreich, Italien, Großbritannien und Belgien.
Nur die deutschen Verlage lehnen den Roman beharrlich ab. So nicht, Herr Hilsenrath!
So dürfe man über das Thema Holocaust nicht schreiben, nicht als Satire,
Groteske, mit bitterbösem, schwarzen Humor.
10. September 1975. Edgar Hilsenrath trifft in München ein, reist wenige
Tage später nach Berlin weiter, wo er eine kleine Wohnung mietet. Er hat
New York endgültig verlassen; es ist eine Flucht zu seiner großen
Liebe: der deutschen Sprache. Ihr war er sein Leben lang treu, mit ihr will
er fortan leben. Weiter bemüht er sich, das Buch „Der Nazi & der Friseur“
zu veröffentlichen, sammelt Absage auf Absage. Schließlich türmen
sich mehr als sechzig Ablehnungen seines Buches.
27. November 1976. Buchhändlerkeller, Carmerstr. 1, (West)–Berlin. Nach
einer Lesung lernen sich der Autor Edgar Hilsenrath und der Verleger Helmut Braun
kennen. Braun erfährt von Hilsenrath dessen Geschichte, erhält das
Manuskript und schließt drei Tage später mit ihm einen Verlagvertrag ab.
Am 04. August 1977 erscheint „Der Nazi & der Friseur“ im Literarischen Verlag
Braun in Köln. Es wird ein Triumph. Die Medien feiern den Schriftsteller,
er wird über Nacht berühmt. Nur ein Jahr später publiziert Braun
auch die Neuausgabe des Romans „Nacht“, mit dem sich nun die Erfolgsgeschichte
fortsetzt.
Hat denn Hilsenrath irgendwann sein Paradies gefunden? Ja, das hat er! Aber an
keinem Ort dieser Erde, sondern in seiner Muttersprache, die auch seine
Dichtersprache ist, im Schreiben, in seinen Büchern und dem Echo darauf.
Helmut Braun
Neunkirchen, 07. Juni 2007
Geboren 1926 in Leipzig. 1928 zieht die Familie nach Halle an der Saale um, wo der Vater ein Möbelgeschäft betreibt. Hilsenrath besucht einen christlichen Kindergarten, die Volksschule und ein Privatgymnasium. 1938 gibt die Familie dem Vertreibungsdruck durch die Nationalsozialisten nach. Die Mutter und die Söhne Edgar und Manfred fliehen zu den Großeltern nach Sereth in der Bukowina/Rumänien; der Vater flüchtet ein Jahr später nach Frankreich. Im Oktober 1941 werden die Serether Juden durch rumänische Gendarmen und Soldaten in das Getto Mogilev–Podolski jenseits des Dnjestr in Transnistrien / Ukraine deportiert. Edgar Hilsenrath, seine Mutter, sein Bruder gehören zu den wenigen Überlebenden, die im März 1944 von sowjetischen Truppen befreit werden. Hilsenrath kehrt über Czernowitz nach Sereth zurück und macht sich auf den Weg nach Palästina, dass er im Januar 1945 erreicht. Im Dezember 1947 trifft der Autor in Lyon ein; die Familie Hilsenrath ist damit wieder vereinigt. 1951 wandert Hilsenrath nach New York aus, wo er mit kurzen Unterbrechungen bis September 1975 lebt. Dann erfolgt die Rückkehr nach Deutschland, wo sich der Schriftsteller in Berlin (West) niederlässt. Dort lebt Edgar Hilsenrath noch heute in der Wohnung, die er Anfang 1976 mietete.
„Nacht“, Roman, München 1964; Neuausgabe Köln, 1978.
„The Nazi & The Barber“, Roman, New York 1971; Deutsche Ausgabe Köln 1977.
„Gib Acht, Genosse Mandelbaum“, Roman, München 1979; Neuausgabe unter dem Titel „Moskauer Orgasmus“, München 1996.
„Bronskys Geständnis“, Roman, München 1981; Neuausgabe unter dem Titel „Fuck America“, Berlin 2003.
„Zybulski oder Antenne im Bauch“, Satiren, Düsseldorf 1983.
„Das Märchen vom letzten Gedanken“, Roman, München 1989.
„Jossel Wassermanns Heimkehr“, Roman, München 1993.
„Die Abenteuer des Ruben Jablonski“, Roman, München 1996.
„Berlin Endstation“, Roman, Berlin 2006.
Zahlreiche Erzählungen und Satiren in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen und Arbeiten für den Rundfunk.
Seit 2003 erscheint eine Werkausgabe in zehn Bänden, die im Frühjahr 2008 abgeschlossen sein wird, im Dittrich Verlag in Berlin.
Hilsenraths Bücher wurden in zweiundzwanzig Ländern publiziert. Die Weltauflage beträgt mehr als fünf Millionen Exemplare.
Alfred Döblin–Preis 1989; Heinz Galinski–Preis 1992; Hans–Erich Nossack–Preis 1994, Jacob Wassermann–Preis 1996, Hans Sahl–Preis 1999; Lion Feuchtwanger–Preis 2004; Armenische Nationalpreis für Literatur 2006; Ehrendoktorwürde der Universität Jerivan 2006; Deutscher Hörbuchpreis 2006.
Helmut Braun (Hg): „Verliebt in die deutsche Sprache – Die Odyssee des Edgar Hilsenrath“, Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung der Akademie der Künste Berlin, Berlin 2005.
Helmut Braun: „Ich bin nicht Ranek“ – Annäherung an Edgar Hilsenrath–, Biografie, Berlin 2006.
„Der Fremde trägt meine Züge“, Dokumentarfilm von Ginka Tscholokova, SFB, NDR, WDR, 3sat 1996.
„Nacht ohne Morgen“, Dokumentarfilm von Bernhard Pfletschinger, WDR, 3sat, Phoenix, DVD 2006
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