P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
Ein Abend im Goethe-Institut Amsterdam
von Daniel Cil Brecher
Der Abend in Amsterdam verlief in einer stillen, freundschaftlichen und introspektiven Stimmung, die zum besonderen Anlass passte. Wer
einmal im barocken Stadtpalais des Amsterdamer Goethe-Institut an der Herengracht gelesen hat, kennt die Gefahren dieses Gebäudes. Um
das Publikum von der Aussicht durch die großen Fenster abzulenken, muss das Podium etwas bieten.
Ich fand es als Gesprächsleiter nicht leicht, den Aspekt des Gedenkens an die schrecklichen Kriegsjahre und die Folgen für unsere
Vorgänger zu verbinden mit den optimistischeren Elementen des Widerstandes, der Freiheit und Unabhängigkeit des Geistes, die unsere
Organisation ebenso repräsentieren will. Die drei Generationen, die an diesem Abend auf dem Podium saßen, vertreten durch Gabrielle
Alioth, Peter Finkelgruen, Hans Keilson und Günter Kunert, ihre sehr unterschiedlichen Schicksale und Wege, illustrierten für uns
diese beiden Aspekte sehr beeindruckend. Wir lasen und diskutierten, und das Publikum lauschte anderthalb Stunden angespannt,
stellte am Ende eine recht schmeichelhafte Anzahl von Fragen und verwickelte uns noch in ein fast einstündiges Gespräch. All das
waren Komplimente.
An dem Abend waren neben dem Goethe-Institut die Vereinigung Deutschland-Niederlande und Castrum Peregrini beteiligt, eine
Stiftung, die aus einer Versteck-Adresse für untergetauchte Flüchtlinge während der Kriegsjahre zu einem Exil-Verlag und
literarischen Zentrum ausgewachsen ist. Es gab zwei Büchertische - einen von der Literatur-Handlung "Die Weiße Rose" mit
den Werken der Teilnehmer, einen von Castrum Peregrini mit Titeln der zwischen 1933 und 1940 in Amsterdam bei Querido
und Allert de Lange erschienenen deutschsprachigen Exilliteratur.
© 2009 by Daniel Cil Brecher
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