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"Maßgeblich ist auf dem Platz", meinte einst Adi Preißler, Stürmer von Borussia Dortmund in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. In fußballerischer Hinsicht hatte er damit gewiß recht - damals zumindest. Oder?
Dieser und anderen Fragen geht die neue (145.) Ausgabe der vom Schweizer Lyrik-Urgestein Werner Bucher herausgegebenen Literaturzeitschrift orte nach, die sich - ganz dem aktuellen Zeitgeist verpflichtet - dem Thema Fußball widmet.
War ich im vorhinein äußerst skeptisch, ob dabei nicht eine eher dröge Textauswahl herauskäme, belehrt mich die Lektüre nun eines weitaus besseren. Obwohl erst spät am Abend und todmüde aus dem in diesen Tagen besonders fußballverrückten Köln in die Eifel zurückgekehrt, las ich mich bis weit nach Mitternacht in dieser betont kämpferischen Ausgabe fest, die fußballverseuchte Gedichte (mit und ohne Fouls) und andere Texte (und Bilder!) zu einem Phänomen offeriert, das mit einer so totalen Wucht in unsere Wohnzimmer drängt, daß selbst der hartgesottenste Fußballhasser sich dem Zauber der Plastikkugel nicht mehr entziehen kann (will?).
Und hier die Aufstellung des orte-Teams! Im Tor Ueli Schenker, in der Abwehr Martin Dragosits, Harold Pinter, Eva-Maria Berg, Umberto Eco, im Mittelfeld Axel Kutsch, Andreas Noga, Heinz Erhardt, Chris Hassler, im Angriff Rolf Hörler, Utz Rachowski; auf der Bank sitzen Per Olov Enquist, Martin Kippenberger, Henning Mankell, Uli Stein, Vittoria Sereni, Erwin Messmer, Anton G. Leitner, Walter Kauer u.a. (Daß es auf der Bank am schönsten ist, hat ja neuerdings auch Torwarttitan Oliver Kahn erkannt, gell Waldi?) Trainer: Werner Bucher. Masseuse: Irene Bosshard.
Ich schoß kein Tor
Ich schoß kein Tor
an diesem Tag
spielte Fußball
und der Mond ging
fürchterlich rund
überm Schnee
in den Büschen
der Hasenheide
die Sonne
wollte nicht untergehen
am Valentinstag
Wie verabredet
im rechten Winkel
die sich liebten
gingen vorbei
Ich schoß kein Tor
an diesem Tag
mein Herz traf still
das weiße Eis der Angst
und rollte leise aus
dein Blick am Horizont
ich rief nach dir
mit verschlossenem Mund
Herzrot stand die Sonne
an diesem lieben Tag
der Mond lag nun auf
meinem Schuh
vollendet rund
© Februar 2003 by Utz Rachowski, erschienen in der Zeitschrift "orte", Nr. 145
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